Geschichte

Feuerwehr in Gräfrath. Brandschutz seit 1740…

Im Jahr 2007 konnten die Kameraden der Gräfrather Löscheinheit 6 der Freiwilligen Feuerwehr Solingen ihr 125-jähriges Bestehen feiern. Doch die Geschichte des Brandschutzes im historischen Stadtteil Gräfrath beginnt viel früher…

Der heutige Solinger Stadtteil Gräfrath entwickelte sich aus einer Hofschaft namens „Gravenroide“. Nach dem Zerfall des römischen Reiches waren weite Teile des Rheinischen Schiefergebirges noch von Wald bedeckt. Die Einheimischen bewohnten vornehmlich einige wenigen Einzelhöfe, es fehlte an Weide und Ackerfläche. Also wurde der Wald gerodet und besiedelt. So ist wohl auch der Hof Gravenroide entstanden.

1185 Der Erzbischof von Köln begrüßte das Ansinnen der Äbtissin Elisabeth von Vilich, der Gräfrather Bevölkerung die Kapelle für regelmäßige Gottesdienste zu öffnen und dort eine geistige Gemeinschaft für „Gottes Mägde“ zu gründen. Anno 1187 wurde von höchster Stelle, nämlich vom Erzbischof Philipp von Köln, die jüngste Stiftsgründung auf dem Eigengut der Abtissin Elisabeth von Vilich bestätigt. Aus dem Hof wurde eine Ortschaft.

Nach der Gründung des Damenstifts war fast der gesamte bergische und rheinische Adel durch Töchter im Gräfrather Kloster vertreten, das dadurch an Wohlstand und Einfluss gewann. So entwickelte sich der Ort Gräfrath mit gutem Wachstum parallel zum Kloster.

1402 erhob der Landesherr, Herzog Wilhelm I. von Jülich-Berg, das Dorf, das sich aus einer bäuerlichen Siedlung am Fuße des Klosterberges entwickelt hatte, zur „Freiheit Greverode“. Zu den neuen stadtähnlichen Rechten der zwei- bis dreihundert Gräfrather Bürger gehörte vor allem das Privileg, einen Bürgermeister und ein Schöffengericht zu wählen, drei Märkte, und zwar im März, August und September, zu veranstalten und nicht zuletzt das Recht, die Siedlung wehrhaft zu wallen.

1555 erlangte Gräfrath das Burgrecht und wurde Landgericht der vier Kirchspiele Sonnborn, Gruiten, Düssel und Schöller.

1686 und 1689 Die Pfarrkirche und mehr als die Hälfte der Häuser und Scheunen in Gräfrath fielen Großbränden zum Opfer.

Zu jener Zeit standen als Löschgeräte nur einfache Wassereimer, Einreißhaken und Leitern zur Verfügung. Besonders fehlte es an einer organisierten Wasserzuführung. Wenn der entstandene Brand nicht sofort von den Bewohnern gelöscht werden konnte, war das Anwesen meist verloren. Die herbeieilenden Helfer konnten dann nur noch die Nebengebäude schützen oder mussten sie sogar niederlegen, um einen Flächenbrand zu verhindern.

1717 Das Kloster und die dazu gehörige Kirche wurden infolge eines Blitzschlages ein Raub der Flammen. Der Magistrat bemühte sich, Vorsorge für die Zukunft zu treffen und den Brandschutz zu organisieren.

1739 Der Bürgermeister Johann Friederich Korten, die Scheffen und der Rath beschlossen, eine fahrbare Brandspritze nebst Zubehör anzuschaffen: eine lederne Schlage (Schlauch) 80 Fuß lang, dazu Verschraubungen und eine Handspritze mit Verschraubung. Die öffentlichen Wasserstellen in Gräfrath waren der Springbrunnen auf dem Markt und der Brunnen am Täppken. Beide Brunnen waren Fontainen, die vom Itterbach gespeist wurden. Es gab noch einen Brunnen an der Oberen Pforte (Gräfrath Mitte) und den Pfuhler Diek.

1740 Eine Löschordnung wurde erstellt: Die Bürger wurden in drei Rotten eingeteilt, an deren Spitze je ein Brandspritzenmeister und zwei Rottenmeister standen. Man kann somit von der ersten organisierten (Pflicht-) Feuerwehr in Gräfrath sprechen.

1803 Der Bayerische Landesherr, Kurfürst Maximilian Joseph, löste alle Stifte und Klöster im Bergischen Land auf, soweit sie nicht der Krankenpflege dienten. Ihr gesamtes Vermögen ging in staatliche Verwaltung über. So wurde das Gräfrather Kloster zur Kaserne. Die Klosterkirche diente fortan als Pfarrkirche.

1815 Nach Abzug der französischen Besatzer wurde das Bergische Land ein Teil der Rheinprovinz von Preußen. Die Folge: Gräfrath wurde Garnisonsstadt.

Das Landwehrbataillon des Königs von Preußen richtete am 5. Mai 1815 auf dem Marktplatz den preußischen Adler auf und ergriff im Namen seiner Majestät von der Freiheit Gräfrath Besitz. Der Klosterhof sollte umgebaut als Garnison dienen. Schon zwei Jahre vor den Preußen diente das Kloster russischen Dragonern als Quartier.

1856 Das Dorf bzw. die Freiheit Gräfrath wird Stadt. Durch die Rheinische Städteordnung wurde am 15. Mai 1856 die Freiheit Gräfrath mit seinen zugehörigen Hofschaften zur Stadt Gräfrath erhoben. Das Stadtgebiet erstreckte sich von der Stadtgrenze zu Vohwinkel (Kluse) bis zur Wupper – Friedenstal – Kohlfurth – Stöcken – Kullerstraße – Schlagbaum – Central – Heresbachstraße – Eckstumpf – Ehren – Eschbach – Blumental – Nordpol – Engelshöhe.

Mittels Dampfmaschinen und durch Gas- und Elektromotoren entstanden neue Fertigungsmethoden, welche die Stadt und das Umfeld veränderten. Aus Handwerksbetrieben wurden Fabriken. Die Industrie weitete sich aus: Am Schlagbaum, an der Foche, in Nümmen, am Flachsberg und am Piepersberg. Die Bevölkerung verdoppelte sich in den vorangegangenen 50 Jahren, so dass die Versorgung und die Verwaltung umorganisiert werden musste.

1881 entstand in der Freiheit 17 das erste Rathaus und an der Nümmener Straße die Gasanstalt. Die Wasserversorgung musste aufgebaut werden.

1882 gab es die ersten Pläne einer Wasserleitung und in den folgenden Jahren wurden Pumpstationen errichtet bevor 1904 durch den Wasserverband Elberfeld, Wald und Solingen der Wasserturm am Exerzierplatz in Betrieb genommen werden konnte.

Auf Druck der Preußischen Provinzregierung wurde in Gräfrath 1882 eine Freiwillige Feuerwehr gegründet.

Aus dem Berichte des Solinger Kreis Intelligenz Blattes vom 25. Mai 1882:

Sitzung der Stadtverordneten zu Gräfrath
III. Wahl einer Commission zur Reorganisation des Feuerlöschwesens.
Infolge eines Erlasses seitens der Königlichen Regierung, Abteilung des Inneren, ist das Feuerlösch-Wesen einer Reorganisation zu unterziehen. Der Herr Vorsitzende macht alsdann den Vorschlag, eine Commission zu wählen, die diese Reorganisation in die Hand nehmen solle. Herr Rüttgers fragt an, welchen Zweck diese Commission eigentlich haben solle. Der Vorsitzende beantwortet die Frage in folgender Weise: die Commission soll zunächst die Feuerlöschgeräte einer genauen Revision unterziehen, ferner soll dieselbe eine große Anzahl von geeigneten Männern heranziehen, zum Zwecke der Bildung einer freiwilligen Feuerwehr. Herr Weiser hält es für vorteilhafter, wenn die betreffende Commission von der Gesamtbürgerschaft gewählt würde und schlägt vor, der Herr Bürgermeister möge eine Gemeindeversammlung zum Zwecke der Wahl geeigneter Männer in die Commission anberaumen. Auf die Bitte des Herrn Vorsitzenden hin, wenn das Stadtverordneten-Kollegium dies wünsche, möge dasselbe es beschließen, bemerkte Herr Schaub: Ich glaube, dass mehr Bürger auf der Versammlung erscheinen werden, wenn der Herr Bürgermeister eine solche selbständig anberaumt. Der Herr Vorsitzende schlägt alsdann vor, abzustimmen, ob die Commission gewählt werden solle oder nicht. Mit 10 gegen 6 Stimmen wurde beschlossen, eine Commission zu wählen, und die Feuerlöschgerätschaften einer Revision zu unterziehen.
Diese Commission besteht nach stattgefundener Wahl für Gräfrath aus folgenden Herren: Franz von Brosy, Carl Ohliger, Robert Bruchhaus, Albert Küller, F. W. Tang und für Auswärts aus den Herren: August Zwinge zu Stockdum, Carl Wolfertz zu Ketzberg, Gustav Becker zu Oben zum Holz, Reinhold Grah zu Flachsberg und C. W. Gottfried zu Nümmen. Herr Weiser ersucht alsdann den Herrn Vorsitzenden eine Gemeindeversammlung zum Zwecke der Bildung einer freiwilligen Feuerwehr an hiesigem Ort anzuberaumen. Dieser Vorschlag wurde mit 15 gegen 1 Stimme angenommen.

Nach Studium der damaligen Berichterstattung kommt man zu dem Schluss, dass Bürgermeister Kürten es wohl schwer hatte, Stadtrat und Bürgerschaft von der Notwendigkeit einer organisierten Feuerwehr zu überzeugen.

Das Spritzenhaus stand bei der alten evangelischen Schule hinter der evangelischen Kirche. Die vorhandenen Feuerlöschgeräte der alten Pflichtfeuerwehr wurden übernommen.

1885 Die Freiwillige Feuerwehr Gräfrath bekam etwas außerhalb des Ortskerns, hinter der neuen evangelischen Schule Schulstraße ein Übungsgelände mit Steigerturm und Geräteschuppen eingerichtet. Das Gelände zwischen der heutigen Wuppertaler-, Schul-, Zwingli- und Melanchthonstraße war ansonsten, bis auf das Schulgebäude, noch unbebaut.

1887 Aus dem SKIB vom 12. Februar:

Die im vorigen Jahr zu Flachsberg gegründete freiwillige Feuerwehr, welche der großen Ortschaft einen schätzbaren Schutz bei Feuersgefahr gewährt, hat sich vor einiger Zeit in zweckentsprechender Weise der Freiwilligen Feuerwehr Gräfrath angeschlossen. Einerseits kommt dieser die größere Anzahl von Mannschaften zu statten, während andererseits den Flachsberger Kameraden die Feuerlöschgeräte zu Übungen und bei Bränden zu Gebote stehen.

1905 Das Übungsgelände hinter der Schule Schulstraße stand zum Verkauf an, die Feuerwehr zog einen neuen Geräteschuppen mit Steigerturm am Brandteich. Der ehemalige, von der vorbei fließenden Itter gespeiste Brandteich wurde zugeschüttet, da die Wasserversorgung durch die neuen Trinkwasserleitungen gewährleistet wurde. Der Neubau gab dem entstandenen Platz seinen Namen: Steigerplatz.

Durch großzügige Spenden der Fabrikanten Emil Engels und Ernst Hammesfahr (beide Foche) und durch Zuschüsse der Feuerversicherung waren die Finanzsorgen der Freiwilligen Feuerwehr Flachsberg behoben, und nach der Zustimmung des Gemeinderates konnte mit dem Bau eines Steigerturms und Gerätehauses hinter der evangelischen Schule Zentral begonnen werden. Im März war der Steigerturm mit Gerätehaus fertiggestellt und wurde seiner Bestimmung der Freiwilligen Feuerwehr Flachsberg-Zentral übergeben.

1907 Durch ein preußisches Gesetz wurden alle freiwilligen Feuerwehren der Rheinprovinz in Gemeinde-Feuerwehren umgewandelt. So entstand auch die Städtische Freiwillige Feuerwehr Gräfrath. Sie setzte sich zusammen aus den Löschzügen Gräfrath (LZ 1), Flachsberg-Zentral (LZ 2) und Paashaus-Ketzberg (LZ 3) sowie der Abteilung Nümmen. Angegliedert war auch die Werkfeuerwehr der Firma Pränafa am Bergerbrühl.

Der Südliche Stadtbezirk mit Stockdum, Kullerstraße, und Stöcken wurden vom Löschzug Schlagbaum der Freiwilligen Feuerwehr Wald betreut. Die Bewohner dieses Stadtbezirks können in die Schlagbaumer Wehr aufgenommen werden, wobei die Stadt Gräfrath für persönliche Ausrüstung und die Hilfskasse aufzukommen hatte.

Diese Einheit existiert übrigens heute noch: Die Löscheinheit 5 zog 1976 von der Scheidter Straße ins Gut Böckerhof.

1919 Für den in den letzten Kriegstagen gefallenen Oberbrandmeister Paul Stratmann wurde als Oberbrandmeister Schornsteinfegermeister Karl Gabriel gewählt. Dieser wurde später zum Branddirektor der Städtischen Freiwilligen Feuerwehr Gräfrath ernannt. Er hatte viel Arbeit, nach dem Krieg mussten die Geräte auf den neuesten Stand gebracht werden.

Bürgermeister Bartlau, Chef der Städtischen Feuerwehr Gräfrath seit dem Jahre 1900, wurde zum Kreisbrandmeister vom Kreisverband Solingen gewählt.

1922 Der hölzerne Geräteschuppen und Steigerturm entsprach nicht mehr den Sicherheitsbestimmungen. Größere Reparaturen waren erforderlich, um die Löschgeräte vor weiterem Schaden zu bewahren. Die Gemeindeversammlung beschloss, ein neues Gerätehaus mit Steigerturm und zwei Wohnungen für Feuerwehrangehörige zu bauen. Die Feuerwehrleute waren für die Pflege der Geräte verantwortlich. So wurde ein Schlauchwaschtrog und im Turm eine Vorrichtung zum Trocknen der Schläuche eingebaut. Das neue Gerätehaus wurde als Massivbau mit Steigerturm im Jahr 1924 fertiggestellt und übergeben.

1928 wurde die erste Motorkraftspritze angeschafft. Es wird die letzte große Anschaffung der Städtischen Freiwilligen Feuerwehr Gräfrath sein.

1929 Aus den bis dato eigenständigen Gemeinden Wald, Ohligs, Solingen, Höhscheid und Gräfrath entstand die Großstadt Solingen. Bis zur Eingemeindung war die Freiwillige Feuerwehr Gräfrath selbständig unter der Leitung von Branddirektor Karl Gabriel. Er legte mit Eingliederung in die Freiwillige Feuerwehr Solingen sein Amt nieder.

1939 Mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges übernahm der aufgestellte Feuerlösch- und Entgiftungsdienst im SHD (Sicherheits-Hilfsdienst) die Funktion der örtlichen Feuerwehr. Ein Großteil der jüngeren Kameraden ab dem Jahrgang 1910 wurde zum Militärdienst eingezogen und viele ältere Kameraden − bis zum Jahrgang 1909 − zum SHD. Sie wurden hier im Brandschutzdienst innerhalb und außerhalb Solingens eingesetzt. Die Führung hatte der Wuppertaler Polizeipräsident. Moderne Löschfahrzeuge stellte das Reichsluftfahrtministerium zur Verfügung. Nachdem Kreiswehrführer Dirlam im Jahre 1943 verstorben war, übernahm die Leitung der Oberbrandmeister Paul Hammesfahr (früher Freiwillige Feuerwehr Gräfrath).

1945 Am 17. April waren durch den Einmarsch der amerikanischen Truppen die Kriegsereignisse beendet. Die Angehörigen der Luftschutzpolizei wurden aus ihrem Dienst entlassen. Ein für Solingen zuständiger Feuerschutzdienst war nicht mehr vorhanden. Kreiswehrführer Paul Hammesfahr erhielt von der Militärregierung den Auftrag, sofort einen Feuerwehr-Notdienst aufzustellen. Am 19. April 1945 wurde dieser aus hauptamtlichen Kräften aufgestellt. Er bestand überwiegend aus Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr. Die Aufstellung einer ordentlichen Freiwilligen Feuerwehr wurde durch die Militärregierung zunächst verboten.

1947 wurde auf Beschluss des Rates der Stadt Solingen eine Berufsfeuerwehr gebildet und die Verteilung der Aufgaben geändert. Auf Anordnung der englischen Militärregierung wurde auch der gesamte Krankentransportdienst der Berufsfeuerwehr zugeteilt. Leiter der Solinger Feuerwehr wurde Brandrat Fritz Schummel.

Zwei Jahre nach Kriegsende konnte auch mit einer Wiederaufstellung der Freiwilligen Feuerwehr begonnen werden. Die Freiwillige Feuerwehr Gräfrath wurde aus den ehemaligen Löschzügen Gräfrath und Zentral gebildet und als Löschgruppe 6 in die Freiwillige Feuerwehr Solingen integriert. Ein Gerätehaus war zwar vorhanden, diente jedoch als Lager für nicht benötigte Gerätschaften. Die neu gebildete Löschgruppe 6 Gräfrath wurde von Brandmeister Paul Ellenbeck geleitet, sein Stellvertreter wurde Unterbrandmeister Heinrich Hafer. Der Übungsbetrieb konnte nur zögernd aufgenommen werden. Da die Löschgruppe noch kein eigenes Löschfahrzeug besaß, benutzte man ein Fahrzeug der Berufsfeuerwehr.

1954 Nach Instandsetzung und Einbau einer neuen Toreinfahrt an der Ostseite des Gebäudes, war das Gerätehaus verwendungsfähig. Der Löschgruppe 6 wurde ein LF 8, Daimler-Benz, aus ehemaligen Wehrmachtsbeständen zugeteilt. Nach einigen Übungen und zusätzlicher Ausbildung war die Löschgruppe voll einsatzbereit.

1957 In den frühen Morgenstunden des 15. Juni wurde die Gräfrather Bevölkerung gegen 5.45 Uhr durch Sirenengeheul aus dem Schlaf gerissen. Der Dachstuhl des jahrhundertealten Fachwerkhauses Gräfrather Markt 11, neben der evangelischen Kirche, stand in hellen Flammen. Im Einsatz waren außer den drei Wachen der Berufsfeuerwehr auch die Löschgruppen 6 Gräfrath, 7 Wald, 4 Merscheid und 5 Schlagbaum.

1961 Am 5. Juni wurde die Löschgruppe alarmiert. Ein schwerer Wolkenbruch hatte den gesamten Gräfrather Markt sowie die umliegenden Keller der Häuser unter Wasser gesetzt. Besonders geschädigt wurden die Häuser in der Freiheit. Da kein einsatzbereites Feuerwehrfahrzeug zur Verfügung stand, kam eine alte Handfeuerspritze noch einmal zum Einsatz.

1966 Der Fahrzeugpark soll wachsen. Deshalb mussten die Rundbogen-Tore am Gerätehaus verändert werden: breiter, höher, rechteckig. Den gültigen Bauvorschriften entsprechend wurde auch eine Brandschürze unterhalb der Wohnungsfenster eingebaut. Nach dem 1961 in Dienst gestellten LF 8 (Faun/Magirus) wurden der Löschgruppe zwei TLF 8-ZS (Daimler-Benz Unimog) des Zivilschutzes zugeteilt. Für den Ortsteil Gräfrath mit den alten Fachwerkhäusern und engen Gassen, war nun die Löschgruppe mit Einsatzfahrzeugen gut ausgerüstet. Die Brandsirenen heulten nun oft in Gräfrath. Durch die aktuellen Einsatzfahrzeuge und durch die verbesserte Ausbildung der Mannschaft, kam die Löschgruppe nun oft zum Einsatz.

1972 feierte die Freiwillige Feuerwehr Gräfrath anlässlich ihres 90-jährigen Bestehens ein Feuerwehrfest am Gerätehaus Brandteich, das seitdem mit dem Tanz in den Mai zum alljährlichen Ritual geworden ist.

1978 Auf der Jahreshauptversammlung erklärte Oberbrandmeister Hermann Bockhorst wegen beruflicher Überlastung seinen Rücktritt als Löschgruppenführer und bat gleichzeitig um seine Versetzung in die Altersabteilung. Als neuer Löschgruppenführer wurde Brandmeister Gerhard Zimmermann gewählt. Im Oktober 1979 stellte er für die Löschgruppe 6 einen Antrag an das Feuerwehramt zwecks Renovierung und Erweiterung des Gerätehauses am Brandteich. Es fehlen sanitäre Einrichtungen und Heizung. Im Winter musste wegen Frostgefahr das Löschwasser aus den Fahrzeugen abgelassen werden. Die Fahrzeughalle war zu klein, um die neue Generation Löschfahrzeuge aufzunehmen. Der Antrag wurde abgelehnt. Löschgruppenführer Gerhard Zimmermann wandte sich dann an die zuständige Bezirksvertretung Gräfrath und informierte diese über die schlechte Unterbringung der Freiwilligen Feuerwehr und lud zu einer Ortsbesichtigung ein. Nachdem die BZV am 17. Januar 1980 das Feuerwehrgerätehaus besichtigt hatte, kam sie zu dem Entschluss, sich über die politische Schiene für die Löschgruppe 6 einzusetzen.

1982 konnte die Freiwillige Feuerwehr in Gräfrath ihr 100-jähriges Bestehen feiern. Neben dem allgemeinen Dienst waren viele Vorbereitungen für ein großes Fest zu treffen. Es wurde ein großes Festzelt auf dem Platz vor dem Gerätehaus aufgebaut. Höhepunkt war der Festumzug mit vielen Feuerwehrkameraden aus Solingen und den Nachbarstädten. Ebenso nahmen die Gräfrather Vereine und befreundete Feuerwehren aus Trechtingshausen am Rhein und Sistig in der Eifel teil. Sie zogen teilweise in historischen Uniformen und mit alten Handdruckspritzen durch den gesamten Ort. Auf dem Marktplatz wurde der Zapfenstreich abgehalten und dann ging es ins Festzelt.

1983 Alle Parteien sahen beim Gerätehaus am Brandteich dringenden Bedarf der Modernisierung und setzten sich im Rat der Stadt Solingen für diese ein.

Nach vielen Gesprächen mit der Stadtverwaltung und dem Land Nordrhein-Westfalen wurde nach einem Kompromiss gesucht, der dann hieß: Eigenleistung der LG 6. Nun wurde grünes Licht für den dringend erforderlichen Um- und Ausbau des Gerätehauses gegeben.

Die Kameraden der Gräfrather Feuerwehr begannen mit den Vorbereitungen zum Umbau. Das Entkernen der alten Fahrzeughalle war Voraussetzung, diese musste für noch zu verlegende Ver- und Entsorgungsleitungen ausgeschachtet werden. Es wurden auch neue Fundamente für die Trennwände und die Bodenisolierung erstellt. Da die Deckenhöhe im Keller zu niedrig für einen neuen Heizkessel war, wurde der Kellerboden um 50 cm ausgeschachtet und eine neue Entwässerung eingebaut. Den Innenausbau der alten Fahrzeughalle mit Sanitäranlagen, Heizung auch die gesamte Elektrik wurde mit Unterstützung der Berufsfeuerwehr und Gräfrather Bürgern in Eigenleistung erstellt.

1984 Am 27. Mai war es soweit: auf dem „Dienstweg“ erfolgte die symbolische Schlüsselübergabe des neuen Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr Gräfrath. Franz Haug, der als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU in Vertretung des Oberbürgermeisters gekommen war, reichte ihn zunächst an Stadtdirektor und Feuerschutzdezernent Hans-Heinrich Dehl weiter, der wiederum übergab den Schlüssel an Branddirektor Manfred Liene, Leiter der Feuerwehr Solingen. Aus dessen Hand gelangte er zu Löschgruppenführer Gerhard Zimmermann.

4000 Stunden erbrachte Eigenleistung, geschicktes Verhandeln mit Lieferanten und Handwerken sowie die Unterstützung vieler Gräfrather Bürger ermöglichten es, ein Gebäude zu erstellen, das seinen Anforderungen bis heute gerecht wird.

1992 Ein an das Gerätehaus angrenzendes städtisches Gelände war für die Kameraden ein ständiges Ärgernis, wurde diese Ecke doch immer wieder als wilde Kippe genutzt. So entstand hier, nach einigen Diskussionen mit den zuständigen Kommunalbehörden bezüglich der Grundstücksverhältnisse und der Baugenehmigung, eine Doppelgarage als Geräteraum. Der Platz davor bot sich zum Bau einer Pöhlchesbahn an.

Mit der tatkräftigen und finanziellen Unterstützung durch die Gräfrather Bevölkerung und der Bezirksvertretung Gräfrath sowie des Heimatvereins Gräfrath, gelang es den Kameraden der Feuerwehr Gräfrath, die Freizeitanlage zu erstellen.

Die Bahn steht von Anfang an auch den Gräfrather Vereinen und der Bevölkerung zur Nutzung zur Verfügung, so bildete sich schnell eine Spielermannschaft aus Männern und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr und Gräfrather Bürgern, die Spaß am Pöhlchesschiëten fanden. Diese spielen bei gutem Wetter fast jeden Abend und Sonntag morgens. An den Wettbewerben der anderen Solinger Pöhlchesschiëter nehmen sie mit großem Erfolg teil. In den letzten Jahren wurden sie Mannschafts- und Stadtmeister – außerdem stellten sie im Einzelwettkampf der Bergischen Meisterschaften schon mehrere Male die Meisterinnen und Meister.

1996 wurde neben einer stattlichen alten Linde an der Pöhlchesbahn ein Grillplatz nebst Gartenhaus „Florianhütte“ errichtet. In den Sommermonaten treffen sich hier fast täglich Pöhlchesschiëter, Feuerwehrleute, Nachbarn und Freunde.

2002 wurde die sechste Gruppe der Jugendfeuerwehr Solingen am Brandteich gegründet. Die Kameraden der Löscheinheit hatten in Eigenleistung aus einer frei gewordener Wohnung zwei Zimmer zu einem Gruppenraum für die Jugendfeuerwehr ausgebaut. Seither betreut der Jugendfeuerwehrwart Dietmar Kühl und sein Team jeden Dienstag die JF-Gruppe VI mit bis zu 20 Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren.

2004 Nicht zuletzt durch Zuspruch des Oberbürgermeisters Franz Haug und die tatkräftige Unterstützung durch Bezirksvorsteher Rik Steinheuer gründeten Gräfrather Bürger den „Freundeskreis zur Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr in Gräfrath e. V.“.

Dieser Förderverein hat sich jedoch nicht nur der materielle Förderung, beispielsweise im Bereich der persönlichen Schutzausrüstung, verschrieben, vielmehr wird hier der soziale Kontakt und die ideelle Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr in den Vordergrund gestellt.

So sind es inzwischen bereits weit über 100 Nachbarn und Freunde der Feuerwehr, die sich der Gräfrather Löscheinheit in besonderem Maße verbunden fühlen. Ein „Freundeskreis“ im wahrsten Sinne des Wortes also.

2007 Die Messlatte des 100-jährigen Jubiläums lag hoch und eine Feier „im kleinen Kreise“ kam für die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Gräfrath nicht in Frage. Dankenswerter Weise stellte die Schützenbruderschaft Gräfrath „ihren“ Samstag des jährlichen Gräfrather Zeltfestes der Löscheinheit zur Verfügung. So konnte die Freiwillige Feuerwehr Gräfrath am 18. August 2007 ihr 125-jähriges Jubiläum in einem würdigen Rahmen feiern. Nach einem morgendlichen Festakt mit über 200 geladenen Gästen folgte am Nachmittag ein großer Festumzug durch Gräfrath mit Zapfenstreich auf dem Gräfrather Markt, woran sich neben allen Löscheinheiten der Feuerwehr Solingen auch die Gräfrather Vereine rege beteiligten. Abgeschlossen wurde der Festtag durch einen Jubiläumsabend, bei der die Livemusik zu Tanz lud.

In Vorbereitung des großen Festes im August wurde zu Beginn des Jahres 2007 in der Gräfrather Geschäftsstelle der Stadtsparkasse Solingen eine Wechselausstellung über die Geschichte der Feuerwehr eingerichtet.

Die hierfür hergerichtete Vitrine ist nun übrigens als Dauerausstellung (mit regelmäßig wechselnden Exponaten) im Eingangsbereich des „Gräfrath-Museums“ des Heimatvereins im Untergeschoss des Deutschen Klingenmuseums zu besichtigen.